Alice Glusgold – „Die Geschichte von Ping“

Es war einmal eine ganz kleine Frau. Die war so klein, wie euer kleiner, kleiner Finger. Sie lebte ganz zufrieden und ganz allein in einer Mandarine. Natürlich mit Möbeln und alles war nur aus Mandarinen. Und einmal kam ein Mann mit dem Namen Astor. Er holte die Mandarine von seinem Obstteller und machte sie auf. Da sah er Ping. Er dachte, er würde einen Herzinfarkt kriegen. Doch nach fünf Minuten fasste er sich wieder und fragte: „Woher kommst du und wie heißt du?“ „Ich komme aus der Mandarine und heiße Ping und du?“ „Astor.“ „Du kannst mir doch bestimmt helfen, meinen Mann zu finden, oder?“ „Ja, klar.“ „Na, dann los!“, sagte Ping, und am nächsten Tag gingen sie los. Sie fuhren mit dem Schiff nach Marokko. Dann waren sie am Hafen und wollten sich ein Kamel mieten. Mit dem Kamel ritten sie durch die Wüste. Auf dem Weg kamen sie an ganz vielen Mandarinenbäumen vorbei und sie hatten von zu Hause ganz viele Säcke mitgenommen und stopften die Säcke voll mit Mandarinen. Dann wurden sie von Räubern überfallen, die ihnen die ganzen Säcke wegnahmen, weil sie dachten, da wäre viel Gold drin. Da mussten Astor und Ping schnell wegreiten und das Kamel war so schnell, dass Ping nur noch am Schwanz hing. Da nieste das Kamel und Ping fiel in den Sand. Astor merkte es nicht und ritt einfach weiter. Nach einer Weile merkte Astor, dass Ping fehlte. Dann ritt er schnell wieder zurück. Er musste lange suchen, bis er sie fand und als er sie fand, war es schon Abend geworden. Zum Glück hatten sie Isomatten und Schlafsäcke dabei. Ping hatte auch zwei Zahnbürsten. Sie fragte Astor, ob er eine haben wollte, aber weil sie für Astor zu klein war, sagte er: „Nein, danke“ Am nächsten Morgen wachten sie ganz froh von der lieben Sonne auf. Dann ritten sie weiter in eine Stadt mit sehr vielen Mandarinen auf dem Markt. Sie kauften sehr, sehr viele Mandarinen, um zu gucken, ob ihr Mann drin ist. Dann mieteten sie sich eine Pension mit einem Innenhof, mit einem Pool und ganz vielen Blumen. Gleich als sie angekommen waren, schwamm Astor im Pool und Ping tauchte mit den Beinen ins Wasser, weil sie Angst hatte, in dem Riesenpool zu schwimmen. Nach dem Schwimmen gingen sie wieder in das Haus und machten alle Mandarinen auf, aber so doll sie auch suchten, den Mann fanden sie nicht. Astor fragte Ping: „Wie sieht dein Mann eigentlich aus?“ Ping zog ein sehr gelbes und zerknittertes Bild aus der Tasche, das sie schon immer bei sich hatte und zeigte es Astor. Da erschrak er sehr. Dann sah auch Ping auf das Foto und sie erschrak auch sehr. „Das bist ja du!“, schrie sie. „Du bist mein Mann!“ „Ja.“, sagte Astor. Da fragte Ping Astor: „Wieso bist du so groß geworden?“ Astor sagte: „Das erzähle ich dir in einer anderen Geschichte.“

– Alice Glusgold / 8 Jahre, Berlin