Deborah Fallis

Siegertext „Theo“ – Preis für Junge Literatur in Berlin und Brandenburg 2013

Lyrik

Ich strecke mich
recke mich
verstecke mich
nicht mehr
Ich krabble, kralle
kämpferisch
erfüllt und dennoch
leer
Ich sprieße, springe
spanne mich an
ziehe, zögerlich
dann mit jedem Ast
fast zerbrochen bin ich
noch gefasst, sicherlich
aber irgendwie hänge ich
zwischen den Seilen
zwischen den Zeilen
zwischen den Beiden
verwurzelt, Heimat
entwurzelt, Verlust
Säure, Base, neutralisiert
Schwarz, Weiß und Grau
desinteressiert
sie spielt, sie verliert
sich selbst in Wurzeln
durch Erde und Menschen
hindurchgeschlängelt
verknotet
gerissen
geflickt
Was brauche ich Boden
unsicheren, maroden
tränengetränkten
aufgesprengten
benannten, verbrannten, verkannten?
So schwebe ich
schwelge ich
über den Dingen
sehe meine Wurzelfinger
mit den Wolken ringen

Deborah Fallis, 16 Jahre