Die geheimnisvolle Lampenfabrik

In einem tiefen Wald stand eine Lampenfabrik. Sie war aus Holz und nur klein, denn es gab nicht genug Eisenerz, um sie größer zu bauen. Alle Arbeiter sind mit der Zeit gegangen, denn weil die Baupläne immer komplizierter wurden, wollte niemand mehr in der Lampenfabrik arbeiten. So sind alle Menschen nach und nach weggezogen. Einige sind auch gestorben.

Bevor die Arbeiter die Fabrik verlassen hatten, sortierten sie die Lampen ordentlich in die Regale. Doch das war nicht das Einzige, was an dieser verlassenen Lampenfabrik besonders war. Die Lampen lebten nämlich und konnten sich mithilfe von Lichtzeichen miteinander unterhalten.

Meist waren die Lampen freundlich zueinander. Manchmal bauten sie sich gegenseitig um, damit sie keinen Strom mehr verbrauchten, sondern durch Kurbeln betrieben werden konnten, denn langsam ging ihnen die Energie aus. Hin und wieder zankten die Lampen auch. Vor allem darüber, wer die Größte war oder welche den Menschen am besten gefallen würde.

Menschen hatten sie allerdings schon lange nicht mehr gesehen. Sie waren sich jedoch sicher, dass die Menschen sich über die hübschen Lampen freuen würden, wenn sie nur einen Blick in die Fabrik werfen könnten. Doch zwei ausgesandte Lampen, die ausspionieren sollten, wie die Menschen jetzt für Licht sorgten, hatten herausgefunden, dass schon lange keine Holzfäller mehr im Wald gewesen waren und dieser nun dicht bewachsen war. Und so lebten die Lampen weiterhin verborgen und keine Menschenseele wusste, dass sie überhaupt noch existierten.

Mit der Zeit trauten sich die Lampen auch in die oberen Etagen der Fabrik, um nach anderen Lampen zu suchen, aber sie fanden nur halbfertige Exemplare. Zudem waren die Baupläne halb zerrissen, sodass sie sie nicht genau lesen konnten. Sie dachten schon, dass sie vielleicht einen Blick in den geheimnisvollen Raum im siebten Stock riskieren könnten, aber es gab nicht genügend funktionierende Lampen, um für ausreichend Licht zu sorgen.

Als noch Menschen in der Fabrik gearbeitet hatten, hatten diese große Angst vor den Tieren im Wald gehabt. Tagsüber hatten sie die Tür verbarrikadiert, damit keine tollwütigen Tiere hereinkommen konnten. Als der letzte Mensch die Fabrik verlassen hatte, war die Tür von außen abgeschlossen worden und die Lampen somit in der Fabrik gefangen. Leider gab es in der Fabrik auch keine Fenster, sodass nur eingeschaltete Lampen für Licht sorgen konnten. Im Dunkeln war es jedoch sehr schwer, die Lichtschalter zu ertasten oder sich gegenseitig aufzuziehen. Daher fassten die Lampen den Plan, mithilfe der übrig geblieben Bauteile einen Bohrer zu bauen, um Löcher in die Fabrikwände bohren zu können. Einige der Lampen hatten Angst, dass die Fabrik dann zusammenstürzen könnte, daher beschlossen sie, es lieber doch nicht zu tun. Auch wäre es ziemlich anstrengend, die Löcher zu bohren.

Stattdessen suchten sie alle Räume nach Ritzen ab. Wenn sie einige der wenigen Ritzen fanden, waren diese nur dünn und ließen kaum Licht in die Fabrik. Die Lampen befürchteten jedoch, dass es sehr kalt werden könnte, wenn sie die Tür öffneten. Dann müssten sie sich nachts aneinander kuscheln, denn sie hatten nur wenige dünne Sachen zum Wärmen gefunden. So beschlossen sie, lieber nur durch die Ritzen der Holztür zu schauen.

Einige der Lampen hatten schon angefangen, teilweise den Boden der Fabrik auszuheben, für den Fall, dass der Strom ausfiel oder die Kurbeln kaputtgingen. So hätten sie wenigstens ein Grab. Man muss wissen, dass die Lampen sehr empfindlich waren, denn sie hatten große Angst, kaputt zu gehen.

Eines Tages schafften sie es jedoch, eine Ritze in der Tür zu brennen, denn manche Lampen wurden sehr heiß. So schafften sie es, endlich in die Freiheit zu gelangen.

Als sie sahen, dass Menschen kamen, wurden sie ängstlich und versteckten sich. Bald erkannten sie jedoch, dass es Holzfäller waren, die die Fabrik entdeckt hatten. Als sie bemerkten, dass die Menschen die Fabrik nicht zerstörten, trauten sie sich nach und nach hervor.

Die Menschen, die in einem Dorf am Rande des Waldes lebten, waren froh, eine Fabrik mit lebenden Lampen zu finden, denn ihnen gefiel das Spektakel. Sie bauten eine Bühne, auf der die Lampen Schattenspiele vorführten. Zudem hatten die Menschen nicht mehr viel Geld und so beschlossen sie, den Lampen ein Museum zu bauen, bei dem die Besucher Eintritt zahlen mussten.

Die Lampen kamen in das Museum, wo sie jede Nacht fröhlich herum hüpften und spielen durften. Jeden Tag wurden sie mit genügend Strom versorgt, sodass sie lange leben konnten und nicht mehr im Nichts des dichten Waldes um Energie bangen mussten. Und wenn sie nicht verschrottet wurden, dann leuchten sie noch heute.

– Hannes Martin Hartmann (7)