Emma Marlene Bading „Danke“

Siegertext „Theo“ – Preis für Junge Literatur in Berlin und Brandenburg 2013

Altersgruppe 13 – 15 Jahre

Sie hielt ihre Hand aus dem Fenster. Die warme Luft floss an ihren Händen entlang, wie Wasser. Sie strich und wogte die Hand, als wenn sie auf einer Welle hin und her gleiten könnte. Es war die Zeit zum Einatmen. Die Zeit, um das orangene Kleid zu tragen. Die Zeit zu Genießen. Von hier konnte man alles überblicken. Die ganze Stadt, die Häuser, die besprühten Fassaden, die Linden, welche ihre Straße säumten. Sie wogten leicht in der frischen Sommerluft, gaben Bewegung in die monotone Welt der Motoren. Am liebsten würde sie jetzt auf einem ganz, ganz großen Berg stehen und mit ihrem Körper im Meer der Luft verschwinden. Ihre Haare würden wehen bei jeder Welle, welche sanft über sie rollen würde. Verdeckt, versteckt unter dem milchigen, jetzt schwülen, unaufhaltsamen warmen Lüften.
Sie konnte jetzt nicht dort stehen. Sie stand hier in dem 7. Stock eines alten, heruntergekommenen Hauses. Wenn man sie gefragt hätte, ob sie glücklich wäre, hätte sie ja geantwortet. Muss man das nicht? Glücklich sein mit dem, was man hat? Will weg, will mich spüren, will leben. Wünsche häuften sich in ihr, klammerten sich in ihr fest, wie Nadeln mit Haken, die sich in ihr festankern und nicht herauszuziehen sind. Das Kleid würde auf dem Stuhl im Bad liegen. Die Waschmaschine würde voll sein und bereit zum Aufhängen. Leo und Louise würden um 6:30 aufgeweckt werden müssen, und Jean? Jean sähe sie an und sie würde sich wünschen auf einem Berg zu stehen, ganz weit, ganz weit weg. Ganz weit oben… wo alles ganz klar ist wo man sich auflösen könnte.
„Mama?“ flüsterte ein kleines Mädchen hinter ihr „Ich kann nicht mehr schlafen.“ „Ich komme ja gleich, Süße. Zieh dich schon mal an, ja? Ich bin gleich da.“ Sie hörte wie zwei kleine, nackte Füße über das Parkett in den Flur schlürften. „Mama ist gleich da.“ flüsterte sie in ihre Armbeuge, während ihre Hand durch ihre Haare fuhr. Wer hätte ihr so etwas gesagt? Wer hätte es sich getraut? Ihr Kopf wurde schwer. Lieben sollte man, man sollte seine Kinder lieben. Am besten alles aufnehmen. Wann sie zum ersten Mal „Mama“ sagen. Wann sie den ersten Schritt tun. Ihr Gesicht verzog sich. Es widerte sie an. Man sollte seinen Mann akzeptieren und sich um die eigenen Eltern sorgen. Man sollte vorausplanen, eine Zukunft haben. Man sollte mit den Kindern schimpfen, wenn sie popeln und sie loben wenn sie sich bei jemand bedanken, sie loben wenn sie eine gute Note geschrieben haben. Warum? Jean schläft, ob es ihm gut geht? Ja, das sollte man sich fragen. „Maaaama!“ „Ich komme Schatz.“ Sie stand auf, ging in den Flur zu Louise und ließ das Fenster auf. Der Wind soll kommen, mich mitnehmen. „Ist Leo schon wach?“ „Nein“ „Na los, dann weck ihn, ich hab eine Idee. Du schleichst dich in sein Zimmer und küsst ihn solange bis er wach wird“ Louise kicherte leise. „O.K.“
„Ahh, bist ja auch schon wach.“ Er ging zum Waschbecken und spülte seinen Mund aus. „Morgen Jean.“ Sie saß auf dem Klodeckel, ihre Haare verdeckten ihr Gesicht, das hellblaue Seidenhemd fiel leicht an ihrem Körper herab. Sie grub ihre Fingernägel in die Innenflächen ihrer Hände, als er sie küsste. Louise kam rein und zerrte einen verschlafenen Jungen hinter sich her:„Das war ne gute Idee, Mama“ kichterte Louise und zog die Arme aus den Ärmeln „Schau mal ich hab gar keine Arme mehr, Papa!“
„Das gibt es doch nicht!“ schrie Jean überschwänglich. Er nahm sie auf den Arm und kitzelte sie durch. Sie saß auf dem Klodeckel und wünschte sich auf den Berg. „Los Leo, zieh dich an.“ „Was denn?!“ „Das, was ich dir in dein Zimmer gelegt habe.“
„Mama, nicht rauchen!“ Aus dem Autoradio schallte französische Musik. „Mami darf das heute mal“ Das Auto kullerte im Schritttempo über die Pflastersteine. „Kann ich mir schon was Süßes aus der Brotbüchse nehmen?“ „Ohh ja, ich auch.“ „Nein, jetzt noch nicht.“ „Bitte!“ „Ja Mama Bitteeeee!“ „Leo und Luise!“ Sie warf einen strengen Blick in den Rückspiegel.
„Tschüssi.“ „Ich hab dich lieb.“ „Ich euch auch meine Kleinen.“ Das sagt man so. Das Auto wendete. Die Häuser flogen an ihr vorbei. An der Ampel vor dem Bäcker war Stau. Sie beobachtete, wie eine junge Frau ein schreiendes Kind hinter sich her zerrte. „Luca! Du kommst jetzt sofort mit der Mama mit.“ „nein.“ „Du bekommst dieses Scheiß- Pferd nicht.“ „Doch!“ „Nein, das ist was für Mädchen. Hast du mich verstanden? DAS IST WAS FÜR MÄDCHEN!“ Er schrie noch mehr und legte sich auf den Boden. Man sollte einen Jungen nicht mit Mädchensachen spielen lassen. Man sollte nicht rauchen. Man sollte nicht abwesend sein. Man sollte Die Kinder lieben. „Erhard warte doch mal.“ Eine fette Oma schrie in Richtung eines etwa gleichaltrigen Mannes, welcher mit seinen großen, glasigen Augen ganz weit weg starrte. Man sah wie er die Zähne ganz fest aufeinander biss. Er wartete. „Mensch Erhard, trag doch auch mal was!“ Sie japste nach Luft. „Immer muss Gudrun alles machen!“. Man sollte seiner Frau treu bleiben. Man sollte sich anziehen bevor man das Haus verlässt. Man sollte nicht über rote Ampeln fahren. Der Stau hatte nachgelassen. Es war rot. Ihr Auto ganz vorne. Sie drückte aufs Gaspedal. Sie sah, wie jemand ihr den Mittelfinger zeigte. Aber sie fühlte sich gut. Man sollte nicht so schnell über Pflastersteine fahren. Sie beobachtete wie der Geschwindigkeitszeiger nach oben schnellte. Ihre Augen starr nach vorn gerichtet. Der Fuß presste sich auf die Pedale. Das Fenster wurde heruntergekurbelt. Sie schrie. Nur Wut, mehr war es gar nicht. Es war nur Wut. Darf man das tun? Es war nur Wut. Ihre Hände krallten sich um das Lenkrad.
„Charlott?“ „Ja ich bin es.“ Sie hängte den Schlüssel an die Haken neben der Tür an. „ Ich nehme mir heute frei“ Er kam in Unterhose aus der Küche „Komm her Charlott.“ Sie quälte sich zu lächeln. Er umarmte sie. Drückte sie ganz fest an sich. „Jean, du musst doch weg….“ „Du bist gleich weg“ Er küsste sie. „Ich liebe dich Charlott“ Sie stellte sich vor eine Puppe zu sein. Sie ließ sich fallen. Machte sich schlapp. Ließ sich von ihm aufs Bett tragen. Eine Puppe die immer lächelt. Eine Puppe die keine Schmerzen spürt nur das Gewicht, was auf sie eindrückte. Sie ließ sich treiben. Durch die warme Sommerluft. Durch wiegende Blätter der Linden. Durch den Rauch der Zigarette, welcher sich in der Luft kräuselte. Sie verfloss in winzige Staubpartikel, welche vom Wind in alle Richtungen verweht werden. So hatte sie keine Angst mehr. Das hatte sie schon erfunden, als sie bei ihrem Vater lebte. Er hatte es ihr gezeigt, als er sie zur Puppe machte. Es klappte. Eine Puppe. Eine Böe. Staub. Weg war sie. Auf einem Berg. Ganz weit oben. Wo niemand hinkommen konnte. Sie sah sich zu, wie sie auf diesem Bett lag, von ganz weit weg.
„Charlott?“ „Hmm“ „War ich gut?“ „Ja…ja“ „Echt?“ „Hmm“
Der Wind wehte durch das offene Fenster und blies die weißen Vorhänge auf. Die Sonne blitzte hinter ihnen hervor und wurde von dem Spiegel direkt auf ihr Gesicht reflektiert. Er lag auf dem Bett und beobachtete sie. Sie saß vor dem Spiegel, hielt mit der einen Hand die Zigarette und mit der anderen steckte sie einen Schmetterling in ihre roten Haare. „Mach dich schön.“ flüsterte er ihr zu. Sie lächelte, drückte den Zigarettenstummel in einem Weinglas aus und holte eine kleine Tube aus einer Tasche. Es roch nach Lavendel, als sie die weiße Wurst herauspresste. „Lass mich das machen.“ Er setzte sich hinter ihr auf das Bett und verteilte die Creme in seinen Handflächen. Dann begann er, sie an den Schulterblättern zu berühren. Er fuhr sanft den Hals entlang. Bis zum Kinn. Über die Wangenknochen zu den Schläfen. Sie schloss die Augen und ließ ihren Kopf in seine Hände fallen. „Meine Kleine.“ Über die Stirn. Er zog ihr Kinn sanft zur Seite. Über die Nase. Den Mund entlang. „Fertig“ Sie öffnete die Augen. Sie sah sein Spiegelbild an.
„Ist sie schön?“ Ihre Augen fuhren über sein Gesicht. „Wer?“ „Jean, du weisst, wen ich meine.“ „Charlott ,-wen meinst du? Ich weiß es wirklich nicht.“ „Ich hab es doch gespürt schon von Anfang an. Ich hab Nichts gesagt. Warum hätte ich? Du hast jemanden gesucht der…der Spaß hat. Spontan. Naiv. Witzig…“ er verzog sein Gesicht. Seine Augen wurden glasig. Ihr Blick wendete sich von ihm ab und fiel ins Leere. Eine Art Starre. „Charlott bitte…“ Er nahm ihren Kopf in beide Hände und schüttelte ihn. „Witzig, spontan und Naiv“ sagte sie abfällig. „Schau mich an Charlott!“. Sie starrte. „Witzig, spontan und naiv“ „Scheiße!“schrie er und trat gegen den Tisch bevor er raus rannte. Man hörte die Wohnungstür ins Schloss fallen. Sie nahm einen Lippenstift und trug ihn auf die Lippen auf. Wie ein Roboter griff sie nach den richtigen Sachen und strich sie auf ihr Gesicht. Eine Puppe. Das wusste sie von ihrem Vater.
Sie schloss die Tür hinter sich ab. Er war auf der Treppe. Verzweifelt auf und abgehend. Sie nahm seine Hand und ging mit ihm die Stufen hinunter „Komm, lass uns zum Geburtstag meiner Freundin gehen.“ Jede Stufe war ein Schritt nach unten. Ein Schritt weg von der Höhe, dem Berg, der Abgeschlossenheit. Doch sie ging, mit ihm an der Hand. Er fuhr und sie ließ ihre Hand auf den Wellen reiten. „Hast du den Gutschein für sie?“ „Ich glaub nicht. “ „Scheiße, wo ist der!“ Sie öffnete die fordere Schublade des Autos. Gleich kullerten verhärtete Gummibärchen und Plastikschnipsel heraus. Sie wühlte in der Schublade und griff einen Zettel. „Du Charlott?“ „Hmm“ er wurde unruhig „Ließ das nicht“ er zog ihr den Zettel aus den Händen. „Warum den nicht? Ich weiß doch eh schon alles“ sie lachte abschätzend. Dann nahm sie den Zettel und las:
Sehr geehrter Herr Rikuel,
Da Sie wissen wollten unter welchem Krankheitsbild ich ihre Frau behandelt habe, werde ich Ihren Forderungen diesbezüglich nachgehen. Doch dies nur unter der Voraussetzung, dass sie mit Charlott darüber sprechen. Sie wurde frühkindlich missbraucht und erhielt so ihre Traumata, welche die extrem soziale Isolation, in welcher Charlott sich schon als Kleinkind verbarg, nur noch verstärkte. Diese gewisse Bindungsangst verleugnet sie und ist nicht bereit daran zu arbeiten. Bei weiteren Fragen diesbezüglich können Sie mit mir in Verbindung treten.
Mit freundlichen Grüßen Dr. Ebert
Sie lachte verunsichert, dann immer mehr. Bis sie sich gar nicht mehr auf ihrem Sitz halten konnte. Sie wurde ganz rot und lachte, lachte, lachte und lachte. Bis sie keine Luft mehr bekam. Eine Träne kullerte über ihre Wange und dann immer mehr. „Charlott…“ „Ach Quatsch es ist nichts! “ Man sollte nicht Lügen. Man sollte keine Schwächen zeigen. Man sollte verstehen. „Wir sind da Charlott.“ Sie weinte. „O.k.“ sie lachte. Ihre Freundin hatte ein kleines Reihenhaus mit einem großen Garten. Jetzt waren überall Luftballons befestigt und Biertische aufgestellt, wo die Unglücklichsten in ihren Presswurstkleidern Smalltalk hielten und bei jedem zweiten Satz ausgiebig lachten. „Charlott, na da bist du ja!“die Freundin kam und umarmte sie stürmisch „und deinen Jean hast du auch mitgebracht.“
Man trauert nicht auf Feiern. Man lacht. Man trinkt und man tut so, als würde das Leben voll mit Lust und Liebe sein. „Na wie geht’s dir so?“ Sie blickte in die Augen ihrer Nachbarin, die, die immer so rumschrie und am Ende des Streites, ob mit ihrem Mann oder dem Sohn, irgendetwas auf den Boden schmiss. Es kommt darauf an, wie wütend sie ist, wenn sie nur ein bisschen angesäuert ist, dann meistens nur Stühle oder Plastikbecher aber letztens war es sogar etwas aus Glas gewesen. Bestimmt die Vase, welche sie zum Valentinstag von ihrem Mann geschenkt bekommen hatte. „Ja, geht gut und bei Ihnen?“ „Jaja, alles so wie es sein sollte.“ „schön!“ „Hmm“ „Na gut, dann amüsiert euch mal schön.“ „Das werden wir!“
Sie zündete sich gerade eine Zigarette an, als er kam und sie ihn ignorierte, er ging, um die Kinder abzuholen und sie schon etwas angetrunken, sich an einen Pfosten im Garten lehnte. Überall lachende Gesichter, Lüge. Sie zog abwechselnd am Cocktail und der Zigarette. Ließ alles an sich vorbeiziehen, sehnte sich nach Wahrheit und gleichzeitig nach Abgeschlossenheit.
Es wurde dunkel und die Lichterketten angeschaltet. Ihr war übel und alles war verschwommen. Musik erfüllte sie und sie wiegte sich in ihr. Sie tanzte durch die Menschen hindurch. Von Mensch zu Mensch. Wollte Freiheit! „Charlott?“ irgendein bekanntes Gesicht erschien vor ihr. „Na wie geht’s dir?“ schrie das Gesicht durch den Lärm der Musik. „Das is dir doch scheißegal. Weisst du was mich ankotzt? Perfektion. Hör auf so n Scheiß zu labern!“ Sie gab dem Gesicht eine Ohrfeige. Dann sang sie. Die kleinen bunten Laternen verzogen sich zu riesigen Bergen. Ein Land ihrer Träume. Silhouetten, die sich bewegen, doch nichts gegen sich machen können. „Hier bin ich!“schrie sie in den Himmel „Vater, fang mich doch du altes Arschloch.“ sie befreite sich von den Armen, die herunterzogen, sie festhielten, erdrückten, verwurzelten. Sie drehte sich und es war als könnte sie fliegen. Immer höher und höher. Sie spürte eine Hand in Ihrer. Sie tanzte mit ihr. Liebte diese Hand. Küsste sie. Sie führte sie in einen weißen Raum. Ganz rein, ganz klar. „Ich liebe dich.“ flüsterte sie. Sie küsste sie. Die Lippen waren weich wie Samt, es war so schön. Sie wurde gestreichelt, sie ließ sich treiben. Da spürte sie das Gewicht. Wut kam auf. Unberechenbare Wut. „Hör auf“ schrie sie „Hör auf“ .Der Alkohol füllte sie aus. Das war ihr Vater, er wollte seine Puppe, doch die wird er nicht bekommen. Sie schlug auf den Körper ein. „ICH BIN NICHT DEINE PUPPE ICH BIN NICHT DEINE PUPPE ICH BIN NICHT DEINE PUPPE sag es!“ Sie spürte etwas in ihrer Hand, etwas Hartes.
Gelb, der Neid
Rot, die Wut
vermindern, verstecken, vergessen
So gelb wie ihr Hut
So rot wie die Schuh
lieben, decken, hassen
Ihre Augenlider waren schwer. Sie kämpfte, um sie aufschlagen zu können. Der Raum war hellblau mit einem Fenster. Er saß auf ihrem Bett, starrte an die Wand. „Mach das Fenster auf.“ flüsterte sie „Charlott…“ er beugte sich über sie „Mach einfach das Fenster auf. “ „o.k.“ Sie sah einem Schlau nach, welcher in ihrer Vene steckte „Was ist passiert?“ „Ach Charlott, es tut mir leid.“ „Was ist passiert Jean? Sag es mir! Wo sind Leo und Louise?“ Ein Arzt kam rein. „Hallo“ sagte sie zu ihm freundlich. Er antwortete nicht. „Haben sie es ihrer Frau gesagt?“er wirkte angespannt „Nein.“ „Dann sag ich es!“ „Ich mach das schon. Also Charlott…“ Sie wartete. Plötzlich zog der Arzt seinen Kittel aus und kam mit seinem Gesicht ganz nah an das Ihre „Sie haben gestern meine Tochter getötet.“ Sein Gesicht verschwamm vor ihren Augen „Sie haben meine Tochter getötet Warum? WARUM?WARUM?WARUM?“ Sie hörte seine Rufe noch als er den langen Flur von ihr weggezogen wurde.
Sie hielt ihre Hand aus dem Fenster. Die warme Luft floss an ihren Händen entlang, wie Wasser. Sie strich und wogte die Hand, als wenn sie auf einer Welle hin und her gleiten könnte. Es war die Zeit zum Einatmen. Die Zeit um das orangene Kleid zu tragen. Die Zeit zu genießen. Von hier konnte man alles überblicken. Die ganze Stadt, die Häuser, die besprühten Fassaden, die Linden, welche ihre Straße säumten. Sie wogten leicht in der frischen Sommerluft, gaben Bewegung in die monotone Welt der Motoren. Am liebsten würde sie jetzt auf einem ganz, ganz großen Berg stehen und mit ihrem Körper im Meer der Luft verschwinden. Ihre Haare würden wehen bei jeder Welle, welche sanft über sie rollen würde. Verdeckt, versteckt unter dem milchigen, jetzt schwülen, unaufhaltsamen warmen Lüften.
„Wie geht’s dir?“ „Ja mir geht’s gut. Danke und dir?“

Emma Marlene Bading, 14 Jahre