Luca Leonora Grüsser
„Wie die Nickende Distel zu ihrem Namen kam“

Siegertext „Theo“ – Preis für Junge Literatur in Berlin und Brandenburg 2013

Junior-Theo

Früher gab es auf der Erde nur Pflanzen und Tiere. Die ersten Menschen gehörten auch zu den Pflanzen. Es gab Kinder und Erwachsene. Die Frauen hatten langes rosa Haar und ein grünes Kleid aus Blättern. Das Haar der Männer war kurz und grellgrün und ihr Anzug aus Moos. Sie alle besaßen zwei Standbeine mit breiten Füßen aus denen die Wurzeln in die Erde hinein wuchsen.
Die Pflanzenmenschen dachten sehr oft darüber nach, was sie alles Schönes machen könnten, wenn sie nicht so tief in der Erde feststecken würden. Sie träumten davon, hoch oben in den Bäumen zu sitzen und über die Welt zu schauen. Die Frauen könnten den Vater ihrer Kinder kennen lernen. Bisher wurden immer nur die Samen aus dem Haar der Männer herangeweht bis sie in den Haaren der Frauen hängen blieben. Um die Frauen herum wuchsen dann die Kinder aus dem Boden.
Sie könnten durch die Welt wandern, irgendwo Hütten bauen, Tiere fangen und um die Wette rennen.
Es gab unter den Pflanzen ein ganz besondere. Diese konnte sich mit allen anderen Lebewesen verständigen. Es war eine Distel.
Sie war ein Orakel. Und so fragten die Menschen die Distel, ob sie ihre Wurzeln in der Erde zurücklassen sollten um ihre Standbeine benutzen zu können. Die Distel nickte. Seitdem können die Menschen laufen. Als Erinnerung und zum Dank gaben sie ihr den Namen Nickende Distel.
Doch manchmal träumen sie von dem Ort, an dem ihre Wurzeln noch in der Erde stecken.

Luca Leonora Grüsser, 9 Jahre