Valerie Berghaus „Plömp“

Preis der Literaturwoche Winter 2012

„Ich bin wieder da!“, rief Maries Vater freudig, als er aus dem Auto sprang. Marie schaute ungläubig aus dem Fenster. Sie quiekte vor Aufregung, als sie tatsächlich das blaue Auto ihres Vaters in der Einfahrt stehen sah. Marie warf ihre blonden Haare zurück und winkte ihrem Vater zu. Dann rannte sie nach draußen.
„Papa!“, schrie sie außer sich. Der schloss sie in seine Arme.
„Ich habe dir etwas mitgebracht.“, sagte Maries Vater, „Hier.“
„Was ist das denn?“ Marie sah den schwarz-weiß-gestreiften Flummi irritiert an und runzelte die Stirn.
„Den habe ich auf dem Flohmarkt gefunden, er ist doch schön, oder?“, erwiderte ihr Vater lächelnd.
„Äh, ja.“ Marie klang nicht sehr überzeugt.
Ihr Vater jedoch schaute sie aufmunternd an.
„Danke.“, sagte Marie langsam. Dann verzog sie sich wieder auf ihr Zimmer. Ärgerlich warf sie den albernen Flummi auf den Boden und murmelte:
„Man, ich hätte echt lieber einen Ring bekommen!“
Als sie sich gerade wieder ihrem Lieblingskrimi zuwenden wollte, sah sie, dass anstatt des blöden Flummis doch tatsächlich ein Ring vor ihr lag. Verwundert hob Marie ihn auf und überlegte, wie sie das gemacht hatte. Sie hatte den Flummi auf den Boden geworfen und sich einen Ring gewünscht und dann hatte er sich verwandelt! Marie warf den Ring auf den Boden und dachte ganz fest an den Flummi. Nichts geschah.
„Man, du blöder Ring! Werde doch jetzt endlich wieder ein Flummi!“
„Plömp“ machte es und schon war der Ring wieder zum Flummi geworden. Marie staunte nicht schlecht. Jetzt wusste sie sogar, wie sie das Ding nennen sollte: Plömp.
„Vielleicht muss ich ja SAGEN, in was das Plömp sich verwandeln soll!“, überlegte Marie. Und tatsächlich – als sie es ausprobierte, verwandelte sich der Flummi in das, was sie gesagt hatte.
„Unglaublich!“, staunte sie, „Dann kann ich aus dem Plömpflummi ja machen was ich will!“
Begeistert hob sie das Plömp vom Boden auf, warf es wieder herunter und rief:
„Vanilleeis!“
Mit einem lauten FLATSCH landete ein Klumpen Vanilleeis auf dem Boden. Entzückt wollte Marie sich daran machen, das Eis aufzuessen. Doch dann dachte sie:
„Halt! Wenn ich das Eis aufesse ist doch das Plömp weg! Enttäuscht guckte sie das Geschenk ihres Vaters an.
Einzige Zeit später kam die Mutter ins Zimmer. Mit offenem Mund blieb sie stehen. das ganze Kinderzimmer war voller Spaghetti:
„Was ist denn hier los?“, rief sie aus.
„Hi Mami! Reg dich ab, dass ist nur mein Plömp.“, sagte Marie. Sie sammelte die Spaghetti zusammen und verwandelte sie in ein Blatt Papier. Ihre Mutter bekam den Mund vor Staunen nicht mehr zu.
Als Marie am nächsten Nachmittag von der Schule nach Hause kam, wollte sie sofort wieder mit ihrem Plömp spielen. Aber in was hatte sie es das letzte Mal bloß verwandelt? Marie überlegte und überlegte, doch sie kam einfach nicht darauf. Vor Verzweiflung schnappte sie sich einfach irgendein Buch aus ihrem Regal, warf es auf den Boden und rief:
„Flummi!“
Nichts geschah. Das Buch landete nur sanft auf dem Teppich. Gleich nahm sie das nächste und es ging immer so weiter – bis ihr Vater herein kam. Entsetzt blieb er in der Tür stehen. Überall im Zimmer waren Bücher, Stifte und Blätter verstreut. Im selben Moment rief die Mutter:
„Marie, wärst du vielleicht so lieb und würdest einmal den Geschirrspüler ausräumen?“
Mit einem Seufzer trottete Marie zur Küche und öffnete die Geschirrspülmaschine. Ein Berg von Tellern, Tassen, Löffeln und Gabeln fiel ihr entgegen.
„Na toll!“, dachte sie. Sie nahm eine Handvoll Löffel und legte sie in die Schublade. Dabei fiel ihr einer herunter:
„Mist!“, fluchte sie leise. Als sie ihn gerade wieder aufheben wollte, stockte sie.
Stimmt!
Marie schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. Sie wollte doch gestern ein Müsli essen und hatte keinen Löffel gehabt. Da hatte sie ihr Plömp einfach benutzt und anscheinend hatte ihre Mutter den Löffel, also das Plömp, in die Geschirrspülmaschine geschmissen. Lachend schaute Marie zu dem kleinen Haufen Mist auf dem Küchenfußboden.

Valerie Berghaus, 10 Jahre, Berlin